Syntaktisch-morphologische Therapie

Inhalte nach Wilhelm (2005)

  • Subjekt-Verb-Kongruenz (Clahsen Phase III/IV)
  • Verbzweitstellung -st Endung (Clahsen Phase IV)
  • Genusmarkierung/Artikel (Clahsen Phase IV)
  • Numerusmarkierung/Plural (Clahsen Phase IV)
  • Akkusativ (Clahsen Phase IV/V)
  • Dativ (Clahsen Phase V)
  • Präpositionalphrasen (Clahsen Phase IV/V)
  • Gebrauch mehrwertiger Verben/Kasusbildung (Clahsen Phase V)
  • Komplexe Sytnax (Clahsen Phase V)

 

Materialsammlungen

Brügge, W./Mohs, K. (3/2007): Therapie der Sprachentwicklungsverzögerung. Eine Übungssammlung. Ernst Reinhardt, München/Basel.

Eisert, D./Rist, A. (2009): Spiele zur grammatischen Sprachförderung und –therapie - Modifikation von 20 Regelspielen im Sinne der Kontextoptimierung von Hans-Joachim Motsch. Avm-Verlag, München.

Wilhelm, E. (2005): Der Grammatik-Gourmet. Förderung des Grammatikerwerbs bei Kindern mit Sprachstörungen. Teil 1. ProLog Therapie- und Lernmittel, Köln.

Wilhelm, E. (2005): Der Grammatik-Gourmet. Förderung des Grammatikerwerbs bei Kindern mit Sprachstörungen. Teil 2. ProLog Therapie- und Lernmittel, Köln.

 

Freies Spiel

REGELSPIELMODIFIKATIONEN IM SINNE DER KONTEXTOPTIMIERUNG


I. Einleitung

• Übertragung der kontextoptimierten Prinzipien auf Regelspiele = umfangreich

• Für die meisten Spiele zutreffend:

• Erweiterung durch Handlungskontexte

• Subjekt-Verb-Kongruenz anbieten

-> Grundlage für variationsreichere Sprachproduktion ->
Erweiterung des Lexikons (Evozieren von Verben im Infinitiv)

• Genussicherheit  

Übungen für Artikelverwendungen (Kasusmarkierungen hängt überwiegend am
Artikel)

• Therapeut: Modelliertechniken (um Zielstruktur zu entlocken)

Strukturhilfen

• Trio-Karte (Satzelemente -> Subjekt, Verb, offene Wortklasse)

• Hilft bei der Subjekt-Verb-Kongruenz und Verbzweitstellung

Beispiel: Koffer packen

• Kasusförderung

-> Artikelkärtchen (jeweils eine Farbe + Form)

-> Zauberkarten (symbolisieren morphologische Veränderung/ Umwandlung der Artikel im Kasus)

Beispiel: Zauberkarte für Akkusativkontexte

• Zunehmende Sicherheit der Zielstruktur -> allmählicher Abbau der Strukturhilfen

II. Spiele

1. Blinde Kuh (Ravensburger)

• Förderung des Tastsinns -> Erfühlen verschiedener Formen ohne dabei hinzusehen, nach dem Zufallsprinzip /mit Stanztafel gezielt auswählen + durch Tasten wieder erkennen

Förderung der Subjekt-Verb-Kongruenz

• Variante 1 (/-e/-Markierung/Verbzweitstellung)
Trio- Karte (Ich suche „das“) auf Stanztafel zeigen

• Variante 2 (/-st/-Markierung/Verbzweitstellung)
Mitspieler sucht Form aus, die erfühlt werden soll


Förderung der Kasusmarkierung

• Artikelmarkierungen im Akkusativkontext
Gegenstand, der gesucht wird/ werden soll, wird benannt (im Satz)

-> eignet sich eher für die Festigung der Akkusativmarkierung, da alle Genera vorhanden sind
-> wenn nötig: Zauberkarte

Förderung der komplexen Syntax

• Wird eine Form richtig benannt, stellt der Therapeut dem Kind Warum-Fragen, um einen Nebensatz mit Verbendstellung zu evozieren

   T: „Warum hast du die Form als Regenschirm erkannt?“
   K: „Weil sie hier so lang ist.“

 

2. Memory (Ravensburger)

• Klassisches Konzentrations- und Gedächtnisspiel

Förderung der Subjekt-Verb-Kongruenz

a) Wortschatz: Verben im Infinitiv
   T: „Was macht der Frosch?“ K: „Hüpfen“

b) Verbflexion (/t/-Markierung)

• Bildung eines Satzes, um sich Abbildung leichter merken zu können
• Einfache Hauptsätze -> Aufmerksamkeit auf Verb („Der Ball rollt.“)

Förderung der Kasusmarkierung

a) Artikel im Nominativkontext

• Suche nach dem passendem Artikel zum aufgedeckten Bild (Hilfsmittel: Artikelfarben)

b) Artikelmarkierungen im Akkusativkontext

• Variante 1 (maskulines Genus)

Nur Karten mit „der“ + Zauberkarte

„ Ich ziehe den Frosch und den Apfel.“

• Variante 2

Karten mit verschiedenen Genera -> Kontrast der Markierung am männlichen Artikel mit den unveränderten Begleitern in Akkusativkontexten

Förderung der komplexen Syntax

• Variante Kausalsätze

Nach dem Spiel deckt jeder das oberste Pärchen auf, Therapeut evoziert Kausalsatz
T: „Warum könnten die Bilder zusammen passen?“ (Hund, Wecker)
K: „Weil beide laut sein können.“
-> erfordert eine gewisse kognitive Reife, um eine Verbindung zwischen zwei scheinbar nicht zusammenpassenden Bildern herzustellen (aber Quatschsätze auch erlaubt)

Pluralbildung

• bei aufgedecktem Pärchen -> „das sind zwei…“

 

3. Das verrückte Labyrinth (Ravensburger)

Aufbau

• Konzentrationsspiel (Spielzüge müssen vor Ausführung überdacht werden)

• Bilder auf Geheimniskarten müssen von Spielern auf Spielplan gefunden werden

• Spielzug: 2 Handlungen:

    Ein Gang wird mit Hilfe der überzähligen Gänge-Karte verschoben

    Eigene Spielfigur wird so weit wie möglich und gewünscht gesetzt

• Wenn gesuchtes Ziel erreicht: Geheimniskarte weglegen, nächste bearbeiten

• Gewinner: Wer als Erster alle seine Geheimniskarten erreicht hat (somit höchste Punktzahl)

Förderung der Subjekt- Verb- Kongruenz

/st/-Markierung/Verbzweitstellung

• Vor eigentlichem Spielzug: Gegnerischer Spieler darf raten, welchen Schatz der andere sucht

• Richtig getippt: Karte wird weggelegt (kein Punkt dafür) Spieler muss in nächstem Zug einen neuen Schatz suchen; Falsch getippt: Spieler führt Spielzug wie vorgesehen durch

• Strukturierung des Satzes durch Trio-Karte: 1. Feld: Symbol für „du“, 2. Feld: „suchst“ mit /-st/-Markierung, 3. Feld: vermuteter Gegenstand

• Beispiel: „Du suchst das Schwert“

• „Du suchst…“: Akkusativkontext -> Um diese Markierung am männlichen Artikel zu vermeiden: Karten, deren Abbildungen einen männlichen Artikel haben, vorher aussortieren

Förderung der Kasusmarkierungen

Artikelmarkierungen im Akkusativkontext

 

Variation 1 (maskulines Genus)

• Bewusstes Benutzen nur von Geheimniskarten mit Abbildungen mit männlichem Artikel

• Dadurch jedes Mal Evozieren der Artikelmarkierungen im Akkusativ

• Durch Beschränkung auf Gegenstände mit maskulinem Genus: Spielerweiterung eignet sich zur Einführung des Akkusativs

• Hilfestellung: Zauberkarte der -> den (Erklärung des Therapeuten: Es werden nur Schätze gesucht, bei denen der Begleiter verzaubert wird)

 

Variation 2

• Sobald in Akkusativkontexten die Markierung am männlichen Begleiter gefestigt: alle Geheimniskarten können für Spielerweiterung genutzt werden

• Dadurch Artikelmarkierung anhand verschiedener Genera kontrastierbar

 

 

4. Tiere Füttern (Ravensburger)

Aufbau

• Kennen lernen von 8 Tieren, deren Lebensraum und Futter

• Aus einem Säckchen werden Futterstücke gezogen und dem passenden Tier zugeordnet (pro Tier 3 Futterstücke)

• Spielende: Sobald alle Futtermittel verteilt sind

• Gewinner: Person, die am meisten Tiere gesammelt hat
(= alle 3 Fütterstücke vollständig)


Förderung der Subjekt-Verb-Kongruenz

Variation 1 (/-t/-Markierung/ Verbzweitstellung)

• Ziehen eines Futterstücks, Benennen und Zuordnung

• Strukturierung des Satzes durch Trio-Karte:
Futterstück – Wort „bekommt“- Tier (z.B. Salat bekommt der Hase)
-> das Objekt steht an erster Stelle -> Fokussieren der Verbzweitstellung

• Bestätigung durch den Therapeuten (z.B. Ja genau, der Hase bekommt Salat) -> Das Subjekt wird zuerst genannt -> Das Kind erfährt eine Kontrastierung der möglichen Satzstellungen

• Achtung: Verwirrung durch flektiertes Verb „frisst“ vermeiden! Nicht-Erkennen der /-t/-Markierung als Regel möglich, da Flexion auf /-st/ endet


Variation 2 (/-st/- Markierung/ Verbzweitstellung)

• Der Mitspieler gibt vor jedem Spielzug vor, welches Tier gefüttert werden soll
(z.B. Du fütterst den Igel!“)

• Zieht der Spieler ein Futterstück, das zur Vorgabe passt, bekommt er einen Spielchip

• Gewinner: Person, die am Ende die meisten Chips hat

• Strukturierung des Satzes durch Trio-Karte: Symbol für „du“- Symbol für das flektierte Verb mit /-st/- Markierung- Tier

• Achtung: Keine direkte Frage stellen (z.B. „Welches Tier soll ich füttern?“), da so die Anweisung mit der /-st/- Markierung nicht zwingend nötig ist

Förderung der Kasusmarkierungen

a) Artikelmarkierungen im Akkusativkontext


Variation 1 (maskulines Genus)

• Spielchips werden verteilt, wenn man das Tier füttern konnte, das vorher festgelegt wurde

• Selbstständige Äußerung der Tierwahl

• Es wird nur mit einer begrenzten Zahl von drei Tieren gespielt (Igel, Hase, Hahn)

• Unterstützung durch Zauberkarte: der -> den
(z.B. „Wen fütterst du?“ – „Den Igel.“)


Variation 2

• Das Spiel wird wie in Variation 1 gespielt

• Alle Tiere werden dazu genommen -> Verdeutlichung, dass sich nur der männliche Artikel in Akkusativkontexten ändert


b) Artikelmarkierungen im Dativkontext

Variation 1 (maskulines Genus)

• Es wird nur mit einer begrenzten Zahl von drei Tieren gespielt (Igel, Hase, Hahn)

• Vor dem Spielzug des Kindes stellt der Therapeut eine Alternativfrage, worauf das Kind in der kürzesten Zielstruktur antworten kann (z.B. „Wem gibst du Futter? Dem, dem oder dem Tier?“ – „Dem“)


Variation 2 (feminines Genus)

• Das Spiel wird wie in Variation 1 gespielt

• Es werden nur Tiere mit einem weiblichen Begleiter eingesetzt (Ente, Ziege)
• Unterstützung durch Zauberkarte: die -> der


Variation 3 (neutrales Genus)

• Das Spiel wird wie in Variation 1 gespielt

• Es werden nur Tiere mit einem neutralen Begleiter eingesetzt (Wildschwein)

• Unterstützung durch Zauberkarte: das -> dem


c) Artikelmarkierungen in Akkusativ- und Dativkontexten

maskulines Genus

• Es werden nur Tiere mit einem männlichen Begleiter eingesetzt

• Der Therapeut fordert wechselhaft die Artikelmarkierungen der verschiedenen Kontexte durch die zwei Fragestellungen (z.B. „Wen fütterst du?“ und „Wem gibst du Futter?“)

 

 

5. Mein schönstes Wimmel- Suchbuch (Ravensburger)

Aufbau

• Wimmelbilder zu verschiedenen Themen

• Finden von ausgewählten Ausschnitten

Förderung der Subjekt- Verb- Kongruenz

/-t/-Markierung/ Verbzweitstellung

• Suchen der Personen auf dem Wimmelbild, die am Bildrand
abgebildet sind

• Benennen, was diese Person gerade macht (SVX, z.B. Der Mann
spielt Gitarre.“)

• Strukturierung des Satzes durch Trio-Karte:
Person Symbol für /-t/-Markierung Beschreibung


Förderung der Kasusmarkierungen

Artikelmarkierungen im Dativkontext


Variation 1

• Beim Buchanschauen stellt der Therapeut Fragen, die eine Dativmarkierung am Artikel fordern

• Achtung: Zuerst sollte nach männlichen Personen gefragt werden; Weibliche Personen erst, wenn die Dativmarkierung am männlichen Begleitern umgesetzt werden kann (z.B. „Wem gehört der Ball? Dem oder dem Jungen?“ - „Dem.“)

 

Variation 2 (Dativmarkierungen mit Präpositionen)

• Festigungsübung

• Voraussetzung: Einsatz verschiedener Dativmarkierungen

• Therapeut schlüpft in die Rolle eines Maulwurfs, der nicht alles genau erkennen kann und stellt Fragen, die Dativmarkierungen mit Präpositionen evozieren (z.B. „Worauf steht der Junge? “- „Auf der Decke.“)


Förderung der komplexen Syntax

• Suchspiel

• Aussuchen einer Person, die der andere durch Tipps finden soll (z.B. „Wo ist der Mann, der ins Wasser springt?“ – „Da.“)

• Strukturierung des Satzes durch Trio-Karte:
„Wo ist?“ Symbol für Person, RP Verb

III. Übersicht über Spiele und passende Therapieziele


IV. Reflexion

• Grundfrage der Verfasser: Lassen sich Regelspiele für die bedeutendsten Bereiche der grammatischen Therapie und Förderung modifizieren?

• Grundsätzlich möglich!

• Mit einem einzelnen Regelspiel kann nicht jedes Therapieziel erarbeitet werden!

• Es können nicht alle Prinzipien bei einer Spielmodifikation umgesetzt werden

• Größte Schwierigkeiten: Ausschalten der sprachlichen Ablenker und die
Erstellung eines zwingend sprachlichen Kontextes

• Problematik die richtigen Wortwahl, Handlungskontext und passende Strukturhilfen miteinander in Einklang zu
bringen

 

Literatur

EISERT, Debora/ RIST, Ariane (2009): Spiele zur grammatischen Sprachförderung und –therapie- Modifikation
von 20 Regelspielen im Sinne der Kontextoptimierung von Hans-Joachim Motsch. München: Avm-Verlag.